Pumpkin Regatta – Wenn Kürbisse zu Booten werden


Wenn Kürbisse zu Booten werden

Die Pumpkin Regatta ist wohl einer der ungewöhnlichsten Wettkämpfe der Welt und stammt ursprünglich aus Kanada. Bei diesem skurrilen Event paddeln Menschen in riesigen, ausgehöhlten Kürbissen über einen See. Statt aerodynamische Boote zu benutzen, zwängen sich die Teilnehmer direkt in das ausgehöhlte Gemüse – oft bemalt, verkleidet und voller Adrenalin.

Doch was genau ist dieses Spektakel eigentlich? Ist es Sport oder Wahnsinn? Die Antwort liegt irgendwo dazwischen. Der Wettlauf ist zugleich Wassersport, Kostümfest und eine herbstliche Tradition, die beweist, dass man mit Essen eben doch spielen kann – vorausgesetzt, es schwimmt.

Menschen sitzen in Kürbissen und paddeln auf dem Wasser

Ursprung in Kanada

Die erste offizielle Pumpkin Regatta fand im Jahr 1999 in Windsor, Nova Scotia, statt. Der dort ansässige Landwirt Danny Dill, Sohn des legendären Züchters Howard Dill (dem Vater der Atlantic Giant Kürbissorte), wollte nach der Ernte seine Riesenkürbisse auf eine neue, kreative Weise nutzen. Seine Idee: Warum nicht einfach einen Motor sparen und selbst paddeln?

Kurzerhand setzte er sich in einen seiner Kolosse und überquerte den Lake Pesaquid. Was als verrückte Wette begann, entwickelte sich rasend schnell zu einem jährlichen Festival, das heute Hunderte Zuschauer und Medienvertreter aus aller Welt anzieht. Mehr Infos gibt es auf der offiziellen Seite der World Pumpkin Regatta.

Personen sitzen in einem riesigen Kürbis und paddeln vorwärts

So läuft das Rennen ab

Der Ablauf klingt simpel, ist aber logistisch anspruchsvoll. Jeder Teilnehmer wählt oder züchtet seinen eigenen Riesenkürbis der Sorte Atlantic Giant. Doch was zählt eigentlich als zugelassenes Boot in diesem Sport? Die Regeln sind strikt: Es darf nur ein natürlicher Kürbis verwendet werden. Keine Motoren, keine Segel, keine professionelle Rumpfverstärkung.

Nach dem Aushöhlen (was allein schon Stunden dauert) wird das „Boot“ zum Wasser geschleppt. Beim Startsignal paddeln alle gleichzeitig los. Die Boote sind extrem schwer und instabil – wer kippt, muss schwimmend aufgeben oder versuchen, das glitschige Gemüse wieder umzudrehen. Sieger ist, wer zuerst das Ziel erreicht. Das dauert meist nur wenige Minuten, wird aber oft von großem Gelächter und vielen nassen Hosen begleitet.

Kategorien und Kostüme

Die Pumpkin Regatta ist nicht nur ein Rennen, sondern ein Laufsteg auf dem Wasser. Sie ist berühmt für ihre fantasievollen Kostüme, die oft passend zur Bemalung des Kürbisses gewählt werden. Viele treten als Piraten, Superhelden, Wikinger oder Kürbisprinzen an.

Neben dem eigentlichen Geschwindigkeits-Wettbewerb werden prestigeträchtige Preise für das beste Kostüm, den kreativsten Kürbis und – besonders beliebt beim Publikum – die spektakulärste Kenterung vergeben. Damit ist die Regatta mehr Festival als verbissener Wettkampf. Es geht um die Show, das Lachen und die Absurdität der Situation.

Herausforderungen auf dem Wasser

Ein Kürbisboot zu steuern ist deutlich schwieriger, als es von außen aussieht. Hier stellt sich oft die Frage: Was ist die beste Technik für diesen Sport? Kraft allein reicht nicht. Das Gemüse ist nicht hydrodynamisch geformt; es ist rund und will sich im Wasser eigentlich nur im Kreis drehen. Zudem nimmt das Fruchtfleisch mit der Zeit Wasser auf, wodurch das Boot immer tiefer sinkt und schwerer wird. Gleichgewichtssinn, ein ruhiger Paddelschlag und absolute Konzentration sind entscheidend. Wer zu hektisch paddelt, bringt den Kürbis ins Wanken. Einige ehrgeizige Teilnehmer trainieren sogar vorab in Swimmingpools, um nicht nach wenigen Metern baden zu gehen – denn das Seewasser ist im Oktober meist empfindlich kalt.

Pumpkin Regatta weltweit

Was im beschaulichen Kanada begann, hat längst globale Nachahmer gefunden. In den USA (besonders in Oregon, Vermont und Kalifornien) sowie in Deutschland (beim Kürbisfestival in Ludwigsburg) und den Niederlanden finden regelmäßig Spaßrennen statt.

Das kanadische Windsor gilt jedoch weiterhin als das Mekka dieses Sports – dort wird die Regatta jedes Jahr mit Live-Musik, Food-Ständen und Paraden gefeiert. Übrigens: Wer Wasser mag, aber lieber untertaucht als darauf zu paddeln, findet ein weiteres kurioses Wasserspektakel in unserem Beitrag über Underwater Hockey.

Rekorde und Highlights

Die Geschichte der Regatta ist voll von verrückten Bestleistungen:

  • Schwergewicht: Der schwerste genutzte Kürbis wog über 900 kg – das entspricht dem Gewicht eines Kleinwagens.
  • Speed-King: Die Rekordzeit über den Lake Pesaquid liegt bei knapp 17 Minuten für die rund 800 Meter lange Strecke.
  • Kälteschock: Manche Rennen finden bei Lufttemperaturen unter 10 °C statt, was das Kentern besonders unangenehm macht.
  • Batman geht baden: 2019 fuhr ein Teilnehmer mit einem aufwendig gestalteten „Batmobile-Kürbis“ – und kenterte unter dem Jubel der Menge spektakulär schon kurz nach dem Start.
Menschen paddeln in Kürbissen

Warum die Pumpkin Regatta begeistert

Die Pumpkin Regatta steht für Gemeinschaft, Kreativität und puren Spaß am Unsinn. Sie zeigt, dass Sport auch humorvoll sein kann und man sich selbst nicht zu ernst nehmen sollte. Zwischen bunten Kostümen, nassen Schuhen und lachenden Zuschauern wird jeder Lauf zum ultimativen Fest des Herbstes. Es ist diese Mischung aus bäuerlicher Tradition und sportlichem Ehrgeiz, die das Event so einzigartig macht.

Fazit

Die Pumpkin Regatta ist ein Paradebeispiel für kuriose Sportarten mit Herz. Sie verbindet Natur, Humor und sportlichen Ehrgeiz auf einzigartige Weise und ist der Beweis dafür, dass ein Kürbis mehr kann, als nur Suppe zu werden.

Wenn du noch mehr lustige Beiträge zu lustigen Sportarten lesen willst, schaue dir doch gerne die Sportart Cheese Rolling an – dort rennen Wagemutige einem Käselaib einen steilen Hügel hinunter hinterher!